Geschichte

Die mährische jüdische Gemeinde

Während die jüdischen Friedhöfe und Synagogen in Prag Touristen seit vielen Jahren angezogen haben, wurden die anderen jüdischen Zentren in der Tschechischen Republik erst kürzlich wiederentdeckt. Die tschechischen Länder hatten bereits im frühen Mittelalter eine ziemlich große jüdische Gemeinde und im Jahre 1254 wurde den Juden durch ein Privilegium, das von Přemysl Ottokar II. ausgestellt wurde, königlichen Schutz gewährt. Dies war nicht immer wirksam – die Juden litten nach wie vor unter den gleichen Übergriffen und der Diskriminierung, wie in anderen Teilen Europas.

Trotz der gelegentlichen Pogrome und Vertreibungen konnte die jüdische Kultur gedeihen. Im Jahre 1938 betrug die böhmische und mährische jüdische Bevölkerung etwa 120.000. Die riesigen Ausmaße der wichtigsten Synagoge von Brünn geben einige Hinweise auf den Reichtum und die Größe der jüdischen Gemeinde. Der Holocaust und der 2. Weltkrieg rissen diese Gemeinschaft auseinander, wobei mehr als 50% der Bevölkerung eliminiert wurden. Viele der Überlebenden zogen nach dem Ende des Krieges weg und mehr verließen das Land im Jahre 1968, als die russische Invasion jede Hoffnung auf Freiheit beendete. Die heutigen jüdischen Bevölkerungszahlen sind schwer zu schätzen, aber eine Schätzung geht von etwa 6.000 aus. Während der gesamten kommunistischen Ära übte diese Gemeinschaft Zurückhaltung aus, aber seit 1989 feiern Böhmen und Mähren das, was von dieser einst blühenden Kultur übrig geblieben ist. Viele Synagogen wurden von den Nazis zerstört und einige wurden umgebaut, um sie für andere Zwecke zu verwenden. Es sind aber doch noch einige vorhanden, wie auch einige Friedhöfe, von denen viele Grabsteine besitzen, die 300 Jahre alt sind. Es gibt kaum einen Ort in Mähren, der nicht über eine jüdische Geschichte verfügt, und im Folgenden werden einige der Highlights aufgeführt:

 

BoskoviceBoskovice

In Boskovice, nördlich von Brünn, gibt es einen Friedhof, der Grabsteine besitzt, die aus dem siebzehnten Jahrhundert stammen. Diese Grabsteine sind in Reihen über einem bewaldeten Hügel angeordnet, eine eindrucksvolle und friedliche Gegend. (Ein Schlüssel ist vom Informationszentrum im Rathaus erhältlich). Auf der Plačková-Straße stehen noch zahlreiche jüdische Häuser.

 

HolesovHolešov

Die jüdische Synagoge (montags geschlossen) in Holešov, nördlich von Zlín, befindet sich auf der Striční, zwei Straßen weiter, von der Rückseite des Informationsbüros am Hauptplatz, Náměstí E Beneša. Das Gebäude, Šachova-Synagoge genannt, nach einem ihrer renommiertesten Rabbiner, stammt aus dem Jahre 1560. Allerdings stammt der prächtige Innenbereich eigentlich aus dem achtzehnten Jahrhundert, von den ausgezeichneten Schmiedearbeiten bis zu den hebräischen Wandinschriften. Die Galerie wurde in ein kompaktes Museum verwandelt. Auf der Rückseite der Striční, an der Hankého, befindet sich der Eingang zum jüdischen Friedhof. Einige der neueren Grabsteine dienen als schmerzliche Erinnerung daran, dass die mährischen Juden im Jahre 1945 nicht vollständig beseitigt wurden. Hunderte von älteren Grabsteinen, die aus dem siebzehnten Jahrhundert stammen, sind eher zufällig angeordnet.

 

Mikulov

Seit (mindestens) 1369 gibt es eine jüdische Gemeinde in Mikulov, was in der Nähe der Grenze zu Österreich, südlich von Brünn, liegt. Während des neunzehnten Jahrhunderts stieg diese Zahl auf bis zu 3.500. Zwei der seltenen erhaltenen Sehenswürdigkeiten sind die Synagoge aus dem fünfzehnten Jahrhundert in der Husova 13 und der ungepflegte jüdische Friedhof an der Brněnská.

 

TrebicTřebíč

In der Nähe der St.-Prokop-Basilika, auf einem Hügel, der Třebíč überschaut, befindet sich das, was einst das jüdische Viertel war. Im Jahre 2003 wurden sowohl das Viertel als auch die Basilika zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Zwei Synagogen – eine auf dem Tiche náměstí aus dem Jahre 1639 und die andere in der Bohuslavova 42 – sind noch erhalten. Nördlich der Erstgenannten liegt der größte jüdische Friedhof der Tschechischen Republik außerhalb von Prag, mit 3.000 Grabsteinen, die aus den 1640er Jahren stammen.

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